Glanzvolle Premiere der Jungen Philharmonie

Der vierte Salzburg-Klassiker begeisterte das Publikum mit einer Spanischen Nacht

(Von Stefan Kritzer)

Chöre, Solisten und Orchester mit Flamenco, Bolero und Carmen. Das hatten die Veranstalter des Salzburg-Klassikers ihrem Publikum im Innenhof der Salzburg versprochen. Und sie haben ihr Wort gehalten. Mit stehenden Ovationen wurde die vierte Auflage des großen Kulturevents von mehr als eintausend Besuchern an beiden Abenden gefeiert.

Bühne und Bonifatiuskapelle im Innenhof der Salzburg im Licht der Spanischen Nacht.

Die Handlung eigentlich tragisch. Die schöne Carmen sinkt tödlich getroffen in den Staub neben der Stierkampfarena, wo die Menge tobt und den Torero feiert. Draußen vor der Tür das Drama, das der verschmähte Liebhaber Don José heraufbeschworen hat. Im Innenhof der Salzburg waren die Ausschnitte der bekanntesten Partien aus Georges Bizets Oper Carmen zu hören und wurden, trotz ihrer tragischen Handlung, mit minutenlangem Beifall, Bravos und stehenden Ovationen des begeisterten Publikums in der Salzburg gefeiert. Die konzertante Aufführung der Carmen war der jeweilige Höhepunkt zweier sensationeller Abende, die unter anderem den mit Spannung erwarteten ersten Auftritt der Jungen Philharmonie Rhön-Grabfeld beinhalteten.

Das Veranstalternetzwerk des Vereins "Kultur ...FÜR... humanitäre Hilfe", der Kulturagentur des Landkreises, der Stadt Bad Neustadt und der Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen hatte wie bereits vor zwei Jahren bei der umjubelten "Carmina Burana" vor allem auf Kräfte aus der Region gesetzt. Wiederum hatten die Veranstalter eine riesige Bühne im Innenhof der Salzburg aufstellen lassen. Eine Spanische Nacht sollte es diesmal sein, und dazu passend auch die Paella, die es im Burghof aus der sich selbst übertrumpfenden Küche des SV Herschfeld gab. Zwar blieben an beiden Abenden einige der aufgestellten weißen Stühle leer, doch die Wetterunbilden der vergangenen Wochen, die auch das Aufstellen der Bühne noch mit Starkregen garniert hatten, die waren beim Salzburg-Klassiker 2009 Vergangenheit. Zwar herrschten in den Abendstunden nicht gerade spanische Temperaturen im Innenhof, dennoch, die Veranstalter waren mehr als zufrieden, dass es nicht regnete wie in den Tagen zuvor.
 
Mit spanischen Gitarrenklängen von Musikern der Berufsfachschule für Musik begann der Abend in der Bonifatiuskapelle bevor die Weltklasse-Flamencotänzerin Leonor Moro mit ihren beiden Musikern die große Bühne betrat und ihre Zuschauer verzauberte.

Das Leonor Moro Flamenco Trio sorgte beim Salzburg-Klassiker für den ersten Höhepunkt des abendfüllenden Programms.

Gemeinsam mit der Leiterin der Caritas Bad Neustadt, Angelika Ochs, stellt der Vorsitzende des Vereins ...FÜR..., Michael Diestel, das neue Caritas Paten-Projekt vor, das aus dem Erlös der Benefizveranstaltung realisiert werden wird. Nach Flamenco und nach der Begrüßung dann der Höhepunkt des Abends, den Kersten Keller-Pallor von der Kulturagentur des Landkreises und Ernst Oestreicher, der Leiter der Berufsfachschule für Musik gemeinsam initiiert und nun sehnlichst herbeigesehnt hatten. Der Auftritt der eigens für den Salzburg-Klassiker ins Leben gerufenen Jungen Philharmonie. Vor zwei Jahren reifte die Idee, bei diesem Kulturevent ein eigenes, aus dem Landkreis sich rekrutierendes Orchester zu gründen. Anfang dieses Jahres wurden die jungen Musiker gesucht, später mit erfahrenen Profis ergänzt und beim Salzburg-Klassiker erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Und wie! In keiner Phase des umfangreichen und schwierigen Programms merkte man dem mehr als 80-köpfigen Orchester seine Premiere an. Ernst Oestreicher und den vielen Musiklehrern drumherum war es gelungen, einen schon sehr reif agierenden Klangkörper zusammenzustellen. Der orchestrale erste Teil wurde mit der Capriccio Espagnol von Rimskij-Korsakow würdig spanisch eingeleitet. Bariton Felipe Peiro sang glänzend „Amor, vida de me vida“ von Federico Moreno-Torroba. Das Fantaisie-Ballet von Beriot mit dem Geigenprofessor Friedemann Wezel an der Spitze der Jungen Philharmonie ein Hörgenuss auf hohem Niveau. Mit dem berühmten Lied „Granada“ von Augustin Lara, interpretiert von Tenor Barry Coleman ein weiterer spektakulärer Höhepunkt des Abends. Besonders gespannt wartete dann das Publikum auf den „Bolero“ von Maurice Ravel. Das leise beginnende und sich dann nach 18 instrumentellen Stationen in einer großartigen Schlußapotheose steigernde Werk meisterte die Junge Philharmonie glänzend und eindrucksvoll. Hätte der erste Teil des Konzerts schon einer vollständigen Premiere genügend zur Ehre gereicht, so zeigte sich im zweiten Teil mit Chören aus dem Landkreis, welches musikalische Potential in Rhön und Grabfeld zu finden ist. Einen konzertanten Querschnitt durch die Oper „Carmen“ von Georges Bizet präsentierte unter der hervorragenden Leitung von Ernst Oestreicher die Junge Philharmonie im Zusammenspiel mit einem großen Projektchor. Der Auswahlchor des Martin-Pollich-Gymnasiums, der Sängerverein Mellrichstadt, beide einstudiert von Heinz Pallor, der Chor der Evangelischen Kantorei Bad Neustadt, einstudiert von Karin Riegler sowie der Chor der Berufsfachschule für Musik gaben ein imposantes Bild auf der Bühne.

Geschafft! Dirigent Ernst Oestreicher und Violinist Friedemann Wezel nehmen die Ovationen des Publikums entgegen.

Insgesamt mehr als 200 Mitwirkende in Chor und Orchester machten aus der Carmen ein konzertantes Spektakel. Alle drei Chöre waren auf den Punkt genau vorbereitet und lieferten eine mehr als überzeugende Vorstellung. Die drei Solisten setzten dem Ganzen noch das i-Tüpfelchen auf. Vor allem Silvia Fichtl als Carmen überzeugte restlos. Ihr beiseite standen Barry Coleman als tragische Figur Don José und Felipe Peiro als Stierkämpfer Escamillo, die beide um die Gunst der Schönen buhlten. Das Publikum war trotz abendlicher Kühle im Innenhof der Burg begeistert. Die Marschrichtung des Salzburg-Klassikers steht demnach auch in Zukunft fest. Mit so einem Orchester und so herausragenden Chören lässt es sich trefflich Konzerte in der Salzburg geben. Und noch etwas hat das Veranstalternetzwerk geschaffen: Der Landkreis hat nach diesem Salzburg-Klassiker ein eigenes Sinfonieorchester. Auf das er nach dieser Premiere mehr als stolz sein kann.

Drei großartige Solisten personifizierten die Oper Carmen (von links): Barry Coleman als Don José, Silvia Fichtl als Carmen und Felipe Peiro als Escamillo.


Alle Bilder: Stefan Kritzer